Mit 1000 Bildern durch 700 Jahre Beilsteiner Geschichte 8

Von der Mosel und ihrer Bedeutung für Beilstein

Flüsse trennten Jahrhunderte lang Landschaften und Herrschaftsgebiete. Brücken gab es oft nur an wichtigen Orten und Handelsplätzen. Diese Handelsplätze siedelten sich zumeist an Orten an, wo Flüsse zusammenliefen (z.B. Koblenz) oder an Stellen, wo Flüsse recht schmal waren und Furten bildeten. Hieraus leiten sich Städtenamen wie Frankfurt, Straßfurt, Schweinfurt etc. ab. Zumeist waren die Menschen an den Flüssen aber angewiesen auf Fähren, Kähnen, Nachen und ähnliche Hilfsmittel. So auch an der Mosel. Brücken gab es bis ins 19./20. Jahrhundert an der Mosel lediglich in Koblenz und Trier.

Altes Luftbild aus den 1930er Jahren: Beilstein liegt als letzter Ort auf der rechten Seite der Mosel. Die waldreichen Hunsrückhöhen jenseits des rechten Ufers sind gut zu erkennen.

So sah die Mosel – vor dem Bau der Staustufen und der damit einhergehenden Erhöhung des Wasserspiegels- Jahrhunderte lang aus zwischen Ellenz und Beilstein.
Auch diese Fotografie wurde von der Beilsteiner Seite aufgenommen, diesmal moselaufwärts, Richtung Briedern.
An der linken Uferseite sind umfangreiche Kribben- Werke zu entdecken.
Dass es zwischen Beilstein und Ellenz- Poltersdorf schon früh eine Fährverbindung gab. (Die Fähre findet erstmalige Erwähnung im Ellenzer Schöffenweistum von 1461), war kein Zufall.

Die Ellenz- Poltersdorfer Gemarkung umfasste ursprünglich auch das Gebiet des heutigen Beilsteins. Erst 1308 erhielt Beilstein durch königliche Verfügung das Stadtrecht. Trotzdem blieben vielfältige Verbindungen und gemeinsame Nutzungsrechte erhalten. So beispielsweise das Weiderecht fürs Vieh im Ellenz- Poltersdorfer Gemeindebann – gelegen auf der Beilsteiner Moselseite. Dieses Nutzungsrecht blieb bis ins 18. Jahrhundert erhalten und wurde von den Bewohnern beider Moselseiten genutzt. Auf die recht starke ökonomische Verflechtung beider Orte verweist auch das Ellenzer Grundbuch von 1720. Hiernach waren die Beilsteiner Grundherren die Grafen von Metternich bedeutende Landbesitzer in Ellenz- Poltersdorf, ebenso das Karmeliterkloster und die Beilsteiner Pfarrkirche. Desgleichen besaßen viele Beilsteiner Einwohner Gärten und Grundstücke auf der anderen Moselseite.

Zu diesen harten Lebensbedingungen gehörte ein hoher Grad an Selbstversorgung. Selbstangebautes Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte besserten den täglichen Speiseplan auf.

Beilstein besitzt kaum Fläche für Gärten.

Im gegenüberliegenden Ellenz- Poltersdorf besaßen viele Beilsteiner kleine Gärtchen oder hatten solche gepachtet.

Dazwischen lag allerdings die Mosel, die es zu überwinden galt.

Dieses Foto aus den 1920er Jahren bildet eine Gruppe von Beilsteinern auf der Fähre ab. Sie setzen gerade über von Ellenz nach Beilstein.

Blick von der Ellenzer Seite auf Beilstein. Die Ellenzer Anlegestelle lag etwas außerhalb des Ortskernes
Eine Verbindung über die Mosel war also lebensnotwendig. Das Fährrecht stand im ausgehenden Mittelalter wohl der Gemeinde Ellenz- Poltersdorf zu. Mit der französischen Besetzung des Mosellandes ab 1794 war Schluss mit solcherlei feudalen Sonderrechten. Wie es hernach mit dem Fährbetrieb weiterging, geben die historischen Quellen nicht her. Höchstwahrscheinlich haben sich die Bewohner beider Seiten mit der Nutzung kleinerer und größerer Kähne beholfen. Diese heißen an der Mosel Nachen.
Auf der nun folgenden Abbildung, einem Holzstich von 1886 sind sowohl einige Fischerboote, als auch Nachen verschiedener Größe zu erkennen.
Auf einem der Nachen wird Vieh transportiert. Ganz im Hintergrund ist bereits ein dampfbetriebenes Schiff zu erkennen, welche die Mosel seit den 1840er Jahren befuhren. Einige Familien besaßen eigene Nachen, andere waren bei der Überfahrt auf die Hilfe ihrer Nachbarn angewiesen. Auf diesen Nachen wurde alles nur Erdenkliche transportiert: Menschen, Vieh, Ochsenwagen, Gemüse, Obst, Holz, Baumaterialien und vieles mehr.
Druckgrafik von G. Franz, aus: Rheinfahrt – Von der Quelle des Rheins bis zum Meer, Erscheinungsjahr:1876

 

Das mitunter sehr waghalsige Beladen dieser Nachen machte die Moselquerung oft zu einem recht gefährlichen Vorhaben.

Hiervon zeugt u.a. ein Ereignis aus dem Jahr 1917.

Am 3. Januar 1917 versucht eine Gruppe von Männern ( u.a. russische Kriegsgefangene) einen vollbeladenen Mistkarren am Beilsteiner Ufer auf einen Nachen zu hieven.

Der überladene Nachen bekam Übergewicht und kenterte. In der eiskalten Mosel, die zudem noch Hochwasser führte, fanden elf Menschen den Tod.

Nicht zuletzt wegen solcher Ereignisse und Unfälle wurde bereits im Jahr 1908 eine geräumige und weit sichere Fähre in Betrieb genommen.

Dieses nachkolorierte Foto von 1908 zeigt die Fähre beim Anlegen auf der Beilsteiner Seite.

Im Anschluss an die umfangreichen Erdarbeiten, d.h. dem teilweise Aufschütten und Angleichen des Uferbereiches auf ein identisches Bodenniveau Anfang der 1890er Jahre hat man auch eine stabil gemauerte steinerne Rampe am Moselufer errichtet.

Diese flach ins Wasser abfallende Steinrampe wurde auf beiden Seiten eingefasst durch starke Bruchsteinmauern, die weit in den Fluss hineinragten und die Rampe zu ganz unterschiedlichen Wasserpegeln nutzbar machte.Zwischen den beiden Außenmauern war die Anlegerampe belegt mit Kopfsteinpflaster aus Grauwacke.

Mauerstärke (etwa 80 cm Durchmesser) und Pflasterung sind auf dieser Aufnahme von 1938 noch besser zu sehen.

Die wohl recht stabile Ausfertigung des Bauwerkes mußte winterlichem Eisgang, aber auch zahlreichen Hochwässern (mit Treibgut, wie Ästen, Bäumen, Gerümpel) widerstehen.

Abgebrochen wurde die Rampe nach mehr als 70jähriger Nutzung erst 1964.

Mit dem Bau der Staustufen und der Erhöhung des Moselpegels um etwa drei Metern an dieser Stelle war die Rampe überflüssig geworden.

Die nun folgenden Fotografien zeigen den Uferbereich um die Jahrhundertwende. Etwa zwei Meter unter dem Straßenniveau gabelt sich der Weg. Links führte er Richtung Altes Zollhaus; rechts zum Gasthof Bauer.
Auf der gegenüberliegenden Ellenzer Seite verlief die gemauerte Steinrampe im spitzen Winkel moselabwärts, drängte das Wasser in die Flussmitte bzw. Fahrrinne und besaß somit auch die Funktion einer Kribbe, d.h. Flussregulierung. Das folgende Foto stammt etwa aus der Zeit um 1900.
Auch die steinerne Rampe am Ellenzer Ufer war belegt mit Kopfsteinpflaster und erleichterte Fuhrwerken, zunehmend auch Autos die Nutzung der Fähre. Die nächste Aufnahme gibt den Zustand um das Jahr 1950 wieder

 

1935 wird schließlich eine Gierponte d.h. Hochseilfähre in Dienst gestellt.

Solche Hochseilfähren besitzen am Heck und am Bug des Schwimmkörpers ein Seil, welches mit einem quer über die Mosel gespannten Sicherungsseil verbunden ist.

Durch genaues Austarieren dieser Seile und die Stellung des Ruders konnte man mit Hilfe der Moselströmung von einem Ufer zum anderen gelangen.

Hier wird ein ganzes Pferdefuhrwerk bzw. ein Ochsengespann mit der Fähre zwischen Beilstein und Ellenz übergesetzt (beide Fotos um 1930 aufgenommen). Das war nie so einfach. Man mußte die Tiere während der Überfahrt ruhig halten, die Fähre dürfte durch plötzliche Gewichtsverlagerung keine Schlagseite erhalten, was ein Kentern zur Folge gehabt hätte. Seit der Kanalisierung und dem Ausbau der Staustufen Anfang der 1960er Jahre hat sich die Strömung der Mosel stark verlangsamt. Seitdem wird die Fähre mit einem (kaum zu überhörenden) Benzinmotor betrieben.
Mit diesem eigenen Motor war die Fähre auch so wendig und flexibel, dass sie als Einstiegshilfe für die Touristenmotorboote eingesetzt werden konnte.

Ab den 1960er Jahren nahm der Tourismus in Beilstein einen starken Aufschwung.

Waren es zunächst kleine Motorboote mit wenigen Gästen, landen heute Schiffe in Beilstein an, die bis zu 400 Personen befördern können.

Mittlerweile gibt es hierfür einen eigenen Landungssteg. Das war zu Beginn der 60er Jahre noch nicht nötig und die Beilsteiner Moselfähre tat auch hier ihren Dienst.

Die Beilsteiner Fähre besitzt übrigens keinen taktierten Fahrplan oder feste Anlegezeiten.

Ist sie gerade am anderen Ufer und man will hinüber, empfiehlt es sich wild zu gestikulieren und darauf zu hoffen, dass der Fährmann gerade keine Kaffeepause macht – ein Stück nostalgische Vergangenheit, aber irgendwie auch symphatisch in unserer schnelllebigen Zeit.

Wer sich in dieses interessante Thema noch weiter vertiefen möchte, dem empfehle ich an dieser Stelle eine wirklich gute und seriöse Internetquelle: Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V.

Personenschifffahrt auf der Mosel in alter Zeit – Die Reisenachen