Brief Koppel

 

Werte Familie Jobelius!

Heute will ich auch mal ein paar Zeilen Euch zukommen lassen. Schätze
alle im Vorraus beim Wohlsein, was ich von uns auch mitteilen
kann. Wir haben uns uns schon gut eingelebt in unserem neuen Heim, und
hatten wir schon Besuch von unserem Hugo, hat Abschied geholt und
werden selber diese Woche noch eingeschifft. Nun möchten wir mal
gerne wissen wie es in Beilstein ist? Und wie es mit unserem Haus ist,
ob selbes noch leer steht. Wir haben vor ein paar Wochen vom Landratsamt
mitgeteilt bekommen, der Verkauf vom Haus wäre in Angriff
genommen. Der Garten kann aber nicht gleich mit dem verkauf vom
Haus geschehen weil selben im Banne Ellenz-Poltersdorf liegt und
müßten mir der Verkauf davon dem Landratsamt Kochem anmelden.

Wie ist es bei Euch mit dem Wetter? Hier hat es seit wir hier sind
noch nicht geregnet, bis gestern hat es was gegeben, aber nicht viel.
Hier ist alles vertrocknet.

Wer hat die Sachen aus unserem Garten geholt. Wenn ihr
vielleicht Interesse am Garten habt, so könntest Du Hermann mal
selbst zum Landrat nach Kochem fahren. Ich wäre Euch dankbar wenn
Ihr uns 2-3 (Pfund) Butter schicken könnte würde gerne den Preis mit
Porto bezahlen, hier weiß man keine zu bekommen.

War es bei Euch auch so heiß, hier war es schrecklich damit. Heute ist
es durch den Regen was abgekühlt. Wie steht der Weinberg mit der
Blüte, ist schon alles durch. Jetzt werdet Ihr sicher am Heu zu machen
sein. Ich will schließen und viele Grüße von uns allen, besonders von
Ihrer Frau Koppel. Bitte bald Antwort. Carl Koppel.

Köln Rh. Kartheuserhof 38 III

Anmerkung durch Rainer Vitz:

Karl Koppel hat in seinem Leben sicherlich nur selten Briefe und andere Schriftstücke verfasst. Dem entspricht seine etwas unzulängliche Schreibweise. Seine mitunter sperrige Ausdrucksweise hingegen erklärt sich mit dem Bälster Platt. „So han de Leut he früher jeschwätzt“ und wenn man versucht das ins Hochdeutsche zu verschriftlichen, kommt es zu diesen Satzstellungen.